Review: OBSCURE FATE – RAVEN`S CALL

OBSCURE FATE haben am 01. April 2021 ihre EP RAVEN´S CALL via INVERSE RECORDS veröffentlicht. Die Truppe aus dem Land der 1000 Seen wartet mit melodischem Todesblei auf. Aber wer sind OBSCURE FATE überhaupt? Die Recherchemaschine spuckt auf jeden Fall erstmal aus, dass wir in das Jahr 2008 zurück müssen. Denn in dem Jahr hat Kavela Kovalainen OBSCURE FATE als Soloprojekt aus der Taufe gehoben. 2019 hat man dann aus dem Projekt eine komplette Band gemacht und das Line-Up vervollständigt. Mit RAVEN´S CALL hat man nun das erste offizielle Lebenszeichen in die Welt gesendet.
Lyrisch setzt sich das Quintett mit Thematiken gemischt aus Tod, Horror, aber auch alltäglichen Themen wie beispielsweise dem Kampf gegen sein inneres Ich, oder eben jenen düsteren Fantasien, die einen überkommen mögen, sollte man sich in einer Mischung aus Melancholie und Verträumtheit bewegen.

Inhaltlich fühle ich mich persönlich also schon angesprochen, denn eben Melodic Death Metal ist meine Baustelle. Allerdings wissen wir ja alle, dass man in diesem Genre mittlerweile auch die eine, oder andere Überraschung erleben kann. Und die muss dabei nicht immer positiv sein. Also, was haben OBSCURE FATE mit ihrem Scheibchen RAVEN´S CALL zu bieten:

Band: OBSCURE FATE
Album: RAVEN´S CALL (EP)
Genre: MELODIC DEATH METAL
Label: INVERSE RECORDS
VÖ: 01.04.2021

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Wertung: ohne

OBSCURE FATE - RAVEN´S CALL
OBSCURE FATE – RAVEN`S CALL (EP)

Von unberechenbaren, niveauvollen Grautönen

Generell kann im Melodic Death ja prinzipiell vieles passieren. Über die Jahre hinweg wurde auch eine Vielzahl an Alben veröffentlicht und viele Stilmittel anderer Genres wurden in Songs verarbeitet. Was aber als unbestrittene Guideline gilt, ist der Fakt der Frikelarbeit an den Seiteninstrumenten. Gitarrenläufe, Gitarrenduelle, ein treibender Bass und Drumarbeit auf anspruchsvollem Niveau. Alles dazwischen sind die Grautöne, die dieses Genre sowohl abwechslungsreich, wie auch zu einem gewissen Punkt unberechenbar machen. Denn eben auch über diese Jahre hinweg hat man eine Erwartung an Melodic Death Metal.

Diesen unberechenbaren Punkt greifen OBSCURE FATE auch gleich im ersten Track „Black Moon“ auf. Nach einem zünftigen Einstieg, der geprägt von eben bereits erwähnten Gitarrenarbeit ist, erwartet man nicht unbedingt clean vorgetragene Vocals. Allerdings nicht im Stile eines Anders Friden, oder eines Mikael Stanne, denn Frontmann Tapio Härkönen klingt eher progressiv im Klargesang. Da wurde ich auf jeden Fall schon das erste mal auf dem falschen Fuß erwischt. Nach dem Einstieg schwenkt man dann ziemlich schnell die aggressive Keule und man geht nach vorne. Für meinen Geschmack vielleicht etwas zu sehr. Zweifelsohne ist die Gitarrenarbeit weiterhin hervorragend, allerdings mag man schnell den Eindruck gewinnen, dass OBSCURE FATE hier sehr eilig unterwegs sind. Allerdings versteht man es auch die Akzente so geschickt zu setzen, dass es eben doch zu einer Abwechslung innerhalb des Songs kommt.

Black Moon – Offical Music Video

Die Lyrik hinter Black Moon

Black Moon handles death and the feelings regarding to it. One can anyway interpret the lyrics in its own way.

Says lyricist Tapio Härkönen.  

Auf den Spuren der „Tradition

Nach „Black Moon“ folgte auf der 4-Tracker EP „Ancient Evil“ und sofort lässt das Songintro mich kurz zucken. Mehr In Flames zu Colony-Zeiten geht ja fast gar nicht. DAS nenne ich melodischen Death Metal. Auch wenn wenn hier für meinen Geschmack wieder etwas zu sehr mit den Cleanvocals praktiziert wird. Gerade in den Screaming-Passagen wirkt „Ancient Evil“ wesentlich stimmiger und lassen OBSCURE FATE um Längen authentischer wirken. Das Songwriting wirkt aber auch hier sehr durchdacht und lässt einen roten Faden in der Struktur dieser EP bereits zum zweiten Track erkennen.
Und diese Benchmark erreicht in „Lucid Dream“ den Höhepunkt. Hier passt wirklich alles von vorne bis hinten. „Lucid Dream“ ist für mein Empfinden das zukünftige, potentielle Aushängeschild. Die Chorus hat Ohrwurmcharakter, ein Gitarrensolo fehlt ebenfalls nicht und die Übergänge sind ganz nahe an der Identität, die ich Ende der 90er – Anfang der 2000er in diesem Genre vorfand. OBSCURE FATE sollten sich diese Identität auf jeden Fall zu nutzen machen. Das steht ihnen hervorragend zu Gesicht.

Obscure Fate Bandpic
OBSCURE FATE mit der Raven´s Call im Rucksack.

Appetit holt man sich beim Essen

Den Abschluss des muskalischen Erstschlags von OBSCURE FATE bildet der Titeltrack RAVEN´S CALL. Behäbig und melodiegeschwängert steigen wir ein. Auch hier wieder das Zusammenspiel aus gewisser Ruhe mit dem Gespür das Tempo wieder gekonnt zu einem vorher bestimmten Punkt anzuziehen. Musikalisch gibt es hier nichts zu beanstanden. Die erste Strophe wirkt auf mich dann vom Gesang her aber wieder wie US-Metal mit Dropped-C getunten Klampfen. Im Chorus besinnt man sich wieder dem Ausgangspunkt und knallt dem Hörer MeloDeath um die Horchmuschel. Dennoch kann der Raven´s Call nicht mit seinem Vorgänger mithalten.

Des Stahlwalzers Fazit

Die EP „RAVEN´S CALL“ aus dem Hause OBSCURE FATE erfindet das Genre mit ihrer Erstveröffentlichung jetzt nicht neu. Allerdings besinnt man sich auf das, was dieses Genre um das Millennium herum ausgezeichnet hat. Keine großen Experimente. Gradlinig in der Struktur und so OBSCURE FATE haben mit „Lucid Dream“ aus meiner Sicht einen wahren Knaller erschaffen.
Was mir nicht so behagt ist der Einsatz von den fast progressiv anmutenden Vocals im Cleanbereich. Tapio Härkönen hat für mich seine Stärken definitiv im Gaspedalsektor. Eben dann, wenn es ins Growling/Screaming geht. Dort macht er zu jeder Sekunde eine gute Figur und bildet auch angenehme Gesangslinien heraus.

Die Songstrukturen können sich sehen lassen. Es wirkt eben ein roter Faden von der ersten bis zur letzten Sekunde dieser EP. Phasenweise wirkt es an der Gitarrenfront zwar etwas hektisch, wobei aber zu keiner Sekunde die Fähigkeiten abgehen. Leider hat manchmal in den komplexen Gitarrenläufe etwas mit einer gewissen Fahrigkeit zu kämpfen, bis das Riff letztlich aufgelöst wird und man in grooviges Gefilde eintaucht.

Diese EP ist auf jeden Fall ein guter Appetizer für ein, so hoffe ich doch, kommendes Album. Schließlich hat sich der Hauptprotagonist aus dem Hause OBSCURE FATE ein paar Jährchen Zeit gelassen, um aus seinem Projekt eine richtige Band zu formen. Songmaterial sollte also vorhanden sein und das auch hoffentlich reichlich und in der Qualität von „Lucid Dream“. Denn dieser Song wird auf meiner nächsten Playlist mit Sicherheit zu finden sein. Ansonsten möchte ich diese EP all jenen ans Herz legen, die eine Affinität zum Melodic Death Metal um die 2000er Jahre haben.

Des Stahlwalzers Anspielspieltipps:

Lucid Dream

Tracklist

01. Black Moon
02. Ancient Evil
03. Lucid Dream
04. Raven’s Call

Line-Up

Kaleva Kovalainen – Guitars
Tapio Härkönen – Vocals
Jari Keränen – Drums
Joni Moisanen – Guitars, Backup Vocals
Antti Möttönen – Bass

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