Review: MIRZADEH – SAUNA (EP)

MIRZADEH starten ins neue Jahr mit der EP SAUNA. Ja, ihr habt richtig gelesen. Sauna. Leider bin ich auf meiner Recherche der Namensfindung der EP leider nicht wirklich fündig geworden. Daher muss ich zum Zeitpunkt des Reviews davon ausgehen, dass das gemeint ist, was es heißt. Zumindest lässt auch das Albumcover darauf schließen, dass es sich um eine Sauna handelt.

MIRZADEH sind allerdings schon alte Haudegen. Also zumindest im Metalkosmos, da die Truppe aus Finnland bereits seit dem Millenium besteht. Beachtliche 20 Jahre hat man schon auf dem Buckel. Und somit schenkt man uns zum Jubiläum eine neue EP. Fünf Tracks, markiert mit dem Genrestempel „Dark Metal“, auf der MIRZADEH die Einflüsse aus Folk Metal und Black Metal auf ihre Art kombinieren, dem ganzen eine gehörige Portion Melodie hinzufügen und das Gesamtblild im Midtempo-Bereich schlussendlich arrangieren. Die Texte basieren auf finnischer Mythologie und lokalen, geschichtlichen Ereignissen. Auch Mythen von Kalevala finden sich oft in den Texten wieder.

Band: MIRZADEH
Album: SAUNA (EP)
Genre: DARK METAL
Label: INVERSE RECORDS
VÖ: 01.01.2021

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Wertung: 3 / 5 Punkte

Mirzadeh Sauna EP
MIRZADEH – SAUNA (EP)

Die Schnittmenge machts

Als Opener von SAUNA schickt sich „Rotten Sights“ an, als erstes ins Rennen zu gehen. Und in der Strophe habe ich zumindest von der musikalischen Warte her das Gefühl, als hätte man Immortal mit Dimmu Borgir und Eternal Tears Of Sorrow gepaart und dabei die Handbremse angezogen hat. Wer jetzt aber mit der Begrifflichkeit „Handbremse gezogen“ etwas negatives assoziiert, der ist auf dem Holzweg. Denn Druck wird sofort aufgebaut. Die Klampfen knattern los, wie es sich für einen Sechs-Zylinder gehören würde. Die verwendeten Keyboards ummanteln dieses Gitarrenspiel, ohne in den Vordergrund zu treten. Die Bridge sorgte dabei für Abwechselung, ehe es im Chorus mal richtig scheppert.
Daraus versucht man sich melodiös und mit einem eingeflüsterten Part zu befreien. Für meinen Geschmack allerdings zu langatmig. So kommt es einem dann fast schon so vor, als würde man auf die Strophe warten.
Aber sie kommt, enttäuscht nicht und lässt den Refrain noch einmal glänzen.

Folkiger wird es dann im nächsten Track „When The Deep Silence Signs“. Hier brauchen wir nicht nur von Folkelementen reden. Denn der komplette Song besteht aus Folk, der in Metalgewand verkleidet wurde. Allerdings darf man hier dann tunlichst keinen Hummpa-Sauf-Metal erwarten. Die Ernsthaftigkeit klingt jede Sekunde durch und lässt niemanden auch nur den Hauch einer Sekunde an Korpiklaani.

Brilliant wird das Ende eingeläutet. MIRZADEH entfernen sich in dieser Phase von der Schreikunst und schwenken auf Growling um. Das sorgt a) für eine Überraschung und b) für Abwechselung. Eine schöne und große Schnittmenge. Allerdings auch noch nicht wirklich etwas, was einen in Jubelarien versetzt. Da geht noch was.

Randnotiz zu Sauna

Der Pyhävuori (heiliger Berg) am Ufer des Lappajärvi-Sees, der Opferstein darauf, raue Landschaften und die damit verbundenen Legenden haben die Texte von Mirzadeh aus den ersten Veröffentlichungen der Band inspiriert. Zur Feier des 20-jährigen Jubiläums wurde in der Region ein Musikvideo mit dem Titel „Valakea“ gedreht. Auch als Hommage an den Heimatbezirk wurde der Text des Liedes in lokaler Mundart verfasst.

Pressetext Inverse Records

Heimatverbunden und Naturverliebt?

Melancholisch, heimat- und naturverbunden geht es in dem Song „Valakea“ weiter. Dieser bietet mit Abstand die größte Vielfalt des musikalischen Schaffens MIRAZADEHs. Eine Ode an die Heimat, in dem sich der Gesang zwischen Screaming, Growling und Klargesang abgwechselt. Hier bemerkt man die Herkunft schon gleich in den ersten Klängen. Für die Melancholie sorgt dann der Einsatz der Keyboards, welches die Ruhe darstellt. Dort stellt man sich dann auch gerne mal vor, in einer finnischen Winterlandschaft seinen Weg zu beschreiten. Ein absolutes Highlight auf der EP SAUNA und ein Ausrufezeichen in Sachen Songwriting.

Mirzadeh Sauna EP
MIRZADEH bestehen schon seit 2000.

Das Niveau an Variabilität setzt sich dann zweifelsohne in „Birth Of The World“ fort. Auch wenn hier von Beginn an ordentlich auf das Gaspedal getreten wird, so arrangiert man den Song auch wieder mit Zutaten aus verträumten und verspielten Melodiebögen, Blastbeats und einer Geschichte Rund um die finnische Mythenlandschaft. Ebenso variiert man auch hier wieder mit den verschiedenen Stilelementen der Sangeskunst. Die anfänglich von mir angestellten Vergleiche zu Dimmu Borgir, Immortal oder Eternal Tears Of Sorrow sind hier schon längst Geschichte. Denn MIRZADEH schaffen gerade zu diesem Zeitpunkt der EP ihre eigene Marke zu platzieren.

MIRZADEH laden noch einmal zum Träumen ein…

… denn mit dem Titeltrack „Sauna“ wird es dann ruhig und verträumt. Man darf schon fast von einer Ballade sprechen, wäre da nicht der sägende Gesang. Man wird aber nicht vor falsche Tatsachen gestellt, wenn man hier eine dramatische Wende erwartet. Auch hier bleibt ein Überraschungsmoment aus und man zieht sein Konzept vollends durch. Das tut der EP zum Abschluss auch noch einmal gut. Man kann sich in Sauna fallen lassen. Auch der Einsatz der Landessprache fügt sich hier auch wieder grandios ein. Man ist also immer noch in der Vorstellung einer finnischen Winterlandschaft gefangen.

Des Stahlwalzers Fazit

MIRZADEH haben Mitte der 2010er Jahre eine längere Pause eingelegt. Hat sich dem Familienleben gewidmet und 2019 damit begonnen, an SAUNA zu schreiben. Diese Besonnenheit, die wohl in einem einzieht, sobald man sich mit dem Familienleben beschäftigt, spiegelt sich in dieser EP wider. Anfänglich irgendwo gefangen zwischen symphonischen Metal-Größen und leichtem Hang zum Kommerz, schafft man ab „Valakea“ die Trendwende und schreibt die eigene Geschichte zu SAUNA. „Valakea“ ist gemeinsam mit „Birth Of The World“ die Speerspitze dieser EP.
Dieses Hoch ist auch eine angenehme Wohltat auf den Lauschlappen, sorgt für Abwechselung. Gerade dann, wenn man schon fast Gefahr läuft, weitere Vergleiche anzustellen.

Auch wenn Keyboards gerade im extremen Metal immer zu einem Streitpunkt werden können, muss hier erwähnt werden, dass der Einsatz gut gewählt ist. Die Klampfen stehen im Vordergrund und die Aspekte, in denen das Keyboard mehr Raum beansprucht ist konzeptionell und songwritertechnisch wirklich gut positioniert worden.
Wer also auf Düster Metal steht, der findet bei MIRZADEH auf jeden Fall einen Bezugspunkt. Auch wenn der Albumtitel für einen Mitteleuropäer etwas befremdlich wirkt, findet sich der Liebhaber hier wohl. Gernefremde hingegen werden sich nicht unbedingt dazu hingezogen fühlen. Bei mir ist aber noch Lust nach oben!

Des Stahlwalzers Anspielspieltipps:

Valakea, Birth Of The World

Tracklist

01. Rotten Sights
02. When The Deep Silence Sign
03. Valakea
04. Birth Of The World
05. Sauna

Line-Up

Mirox – Vocals, Guitars, Keyboards
Shagul – Lead Guitar, Keyboards
Lues – Bass
Fafner – Drums

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