Review: KAAMOS WARRIORS – KIROUS

Die KAAMOS WARRIORS füllten Ende des Jahres mit ihrem dritten Album KIROUS unsere Gehörgänge mit einer ordentlichen Portion Dark Metal. Die Finnen reizen dabei dieses Subgenre in seinem Facettenreichtum aus. Acht Tracks völliger Dunkelheit, Atmosphäre und mitunter auch mal ordentlichem Gaspedal. Die Veröffentlichung KIROUS ist auch hier lediglich in digitaler Form über das finnische Label INVERSE RECORDS vorgenommen worden und ist somit auf den gängigen Streamingplattformen verfügbar.

Band: KAAMOS WARRIORS
Album: KIROUS
Genre: DARK METAL
Label: INVERSE RECORDS
VÖ: 03.12.2020

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Wertung: 4 / 5 Punkte

KAAMOS WARRIORS – KIROUS

KAAMOS WARRIOS – KIROUS

Dark Metal ist ja auch so ein Begriff, der weitläufiger eigentlich gar nicht sein kann. Was verbirgt sich dahinter? Gibt es Grenzen? Und wenn ja, wo könnte diese sein? KAAMOS WARRIORS jedenfalls verstehen sich auf KIROUS darauf, keine Grenze zu ziehen. Mal düster, mal roh und direkt, mal atmosphärisch und melodiös. Für Abwechselung sorgt das Trio um Mikko Ojala jedenfalls.

Mit Pauken und noch viel mehr Trompeten bzw. Synthie-Blasinstrumenten steigt man in den Opener des Albums ein. „Askeleet“ stampft dann in einer Wucht durch die Boxen und wandelt sich in einen anmutigen und harmonischen Part. Das Grundgerüst ist wuchtig und auch die Vocals ummalen selbiges. Die eingestreuten Chöre sorgen zusätzlich noch für Atmosphäre. Allerdings setzt man dort noch nicht das Ausrufezeichen für KIROUS.

Eigentständigkeit und unverwechselbar

Wenn man sich die Diskographie von KAAMOS WARRIORS mal ansieht, dann fällt einem auf, dass 2019 zwei vollwertige Alben erschienen sind. Somit ist es doch vielleicht ein stückweit überraschend, dass man 2020 wieder einen neuen Silberling aus der Schublade zieht und der Welt zugänglich macht. Boshaft könnte man sagen „ach, alles schnöde B-Seiten“. Das ist aber alles andere als korrekt. Denn eine Entwicklung zu dem Vorgängeralbum „Shadows of Northern Chaos“ und dem Debüt „Ikuisen talven sarastus“ lässt sich zweifellos schon an den beiden Tracks „Kuilu“ und „Tuonentuoja“ auf KIROUS erkennen.

Die Abwechselung zwischen Atmosphäre, Dunkelheit und Geballer ist hier der absolute Maßstab, an dem sich KAAMOS WARRIORS auf den nachfolgenden fünf Songs selbst gesetzt haben. Vielleicht bewusst?
Hier setzt man in Punkto Songwriting und Songstruktur auf die Karte „Eingängigkeit“ ohne auch nur eine Nuance der eigenen Glaubwürdigkeit zu verlieren. Auch die Komponente Streichinstrumente trägt dazu bei, während man mit „Tuonentuoja“ es mit sanfterem Frauengesang versucht, die Brücke zum Gothic Metal zu schlagen. Allerdings jetzt nicht gleich ausflippen, liebe Leute. Es wird als Stilmittel und zusätzliches Element verwendet. Nicht mehr, nicht weniger. Man bleibt sich treu, unterstreicht dadurch lediglich ein Merkmal.

Das Feuer brennt lichterloh…

Was dann mit „Tuli“ (zu deutsch: Feuer) folgt, ist dann kein Widerspruch, sondern die logische Steigerung was uns KAAMOS WARRIOS bisher geboten haben. Hier wird das Tempo mal ganz geschickt angezogen und es peitscht einem ein Song entgegen der richtig Spaß macht und eben Feuer hat. Meiner Einschätzung nach ist DAS, der Track auf der Platte mit dem größten Potential, dem meisten Druck und eben mit dem höchsten Spaßfaktor. Es hat ein Feuer in mir entfacht und irgendwo fühle ich mich auch etwas euphorisiert. Nur mit der knappen Spielzeit bin ich nicht so ganz einverstanden.

KAAMOS WARRIORS haben mit KIROUS eine amtliche Dark Metal Platte im Gepäck!

In der Geschwindigkeit wieder etwas gedrosselt folgt der Titeltrack zu KIROUS. Eine Abwechselung zwischen sämtlichen Stilelementen der gesamten Düstermetalwelt. Noch größer und mit einem richtigen Überraschungsmoment ereilt uns noch „Totuus“, der mit einem so gedrosselten Mittelpart – ja fast schon jazzähnlich – vielleicht auch mal die Kinnlade runterfallen lässt. Auch der Einsatz von Synthies ist hier wieder so gewählt, dass es den Song trägt ohne nervig zu wirken. Die Hauptarbeit leisten die Saiteninstrumente und natürlich das Schlagzeug.
Auch mit „Usva“ erleben wir noch einmal ein neues Hörgefühl. Alleine der Einstieg lässt einen vermuten, dass wir jetzt hier mit einer old-school Death Metal Attacke rechnen müssen. Weit gefehlt. Das off beat Drumming stellt hier den Hauptfaktor dar. Perfekt eingesetzt um dann in einen Double Bass-Part zu wechseln. Ohne echten, ausreißenden Höhepunkt, aber mit grundsolider Arbeit hat man hier wieder Herz und Fähigkeiten und das Gespür für einen abwechselungsreichen Song in Form gegossen.

Klassicher Ausflug

Das Abschlusselement „Elävän tulen liekki“ vereint hier alles, was 7 Songs bereits an Vorarbeit geleistet haben. Hauptfokus der KAAMOS WARRIORS ist der Einsatz von klassischen Passagen. Hier hat man wohl noch einmal alles in die Waagschale geworfen, wo man sich vorab etwas zurückgehalten hat. Im Großen und Ganzen ein gelungener Abschluss.

Des Stahlwalzers Fazit

Wenn man den KAAMOS WARRIOS eines vorwerfen kann, dann die viel zu geringe Spielzeit von lediglich 30 Minuten. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass ein neunter, oder gar zehnter Song hätte mit aufs Album kommen sollen. Viel mehr hätte ich mir gewünscht, dass beispielsweise ein Song wie „Tuli“ mehr Länge gut hätte vertragen können. Das ist aber auch schon wieder „jammern auf hohem Niveau“.

Persönlich ist es mir immer wieder ein Fest ein Album, gerade in finnischer Sprache, hören zu hören. Kaum eine Sprache passt vielleicht besser zu extremen Metal, als finnisch.

Auf KIROUS haben wir einen Dark Metal aus Finnland geboten bekommen, der so weitläufig ist, wie die finnische Seenlandschaft selbst. Viele Elemente aus Gothic, Doom, Black oder gar Death Metal sind hier zu einer Symbiose vereint worden.
Bands wie die norwegischen Aeternus werden ja auch gerne dem Dark Metal zugeordnet. Und hier muss auch der Hebel von KAAMOS WARRIORS angesetzt werden. Wir haben es hier mit einer Weiterentwicklung und der ganz eigenen Interpretation von Dark Metal zu tun. Dieses Album tut auf jeden Fall gut, ist abwechselungsreich und lässt sich so schnell in keine spezielle Schublade packen.

Des Stahlwalzers Anspielspieltipps:

Kuilu, Tuli, Usva

Tracklist

01. Askeleet
02. Kuilu
03. Tuonentuoja
04. Tuli
05. Kirous
06. Totuus
07. Usva
08. Elävän tulen liekki

Line-Up

Mikko Ojala – vocals, guitars, drums, keyboards
Jani Moilanen – guitars, acoustic guitars, solo guitars
Jyri Moilanen – bass

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