CD Massaker als Selbsttest

Wer kennt es nicht – das CD Massaker von Nuclear Blast. Zehn ausgewählte Platten für eine schmale Mark. Ok, für nen schmalen Euro. Genauer gesagt für 19,99 Euro. Für den Schnäppchenjäger mit Sicherheit nicht ganz uninteressant. Aber kann das überhaupt was und lohnt sich das überhaupt?
Ich habe den Selbsttest gemacht und mir einfach mal das CD Massaker in den Einkaufswagen gelegt und meine Bestellung abgegeben. Was man mir aus Donzdorf nach Hause geschickt hat, wem ich das empfehlen würde und ob man das überhaupt machen kann, darauf werde ich in den nächsten Zeilen eingehen.

Post aus Donzdorf

Attila - Chaos
Attila – Chaos

Ich werde hier versuchen möglichst keine Rezensionen der einzelnen Platten vorzunehmen, auch wenn vielleicht mal der Eindruck aufkommt, als würde ich das tun. Natürlich habe ich, nachdem die Bestelltung bei mir eingetroffen ist, in alle Alben reingehört – schließlich muss man ja wissen, was man so bekommen hat. Dennoch versuche ich dem ganzen Thema und der Musik möglichst neutral gegenüber zu stehen, denn vielleicht entdeckt man ja auch noch ein Perle, die einem bislang verborgen war.
Die nachfolgende Reihenfolge ist also willkürlich gewählt und hat keinerlei Aussagekraft über Qualität der dargebotenen Künste.
Genug gesabbelt: Hier nun also die zehn Silberlinge, bei denen man bei sich im Hause Nuclear Blast der Meinung ist, sie könnten mir gefallen.

1. Pristine – Ninja

Ein fetter, grüner Sticker prangt auf der Folie. Sofort fällt mir „NORWEGIAN ROCK AT ITS FINEST!“ ins Auge, womit Ninja von Pristine angekündigt wird. Meine Aufmerksamkeit ist also schon einmal geweckt. Ein schönes „Limited Gatefold-Digi“ inklusive dreier Bonus Tracks.
Das Booklet rausgezuppelt, rumgeblättert, ein bisschen vorab informiert. Die Musik läuft schon. Ich lausche. Ok, es ist Rock. „Finest“ finde ich jetzt nicht, allerdings handwerklich auch nicht schlecht. Eine Dame, die dort singt. Okay, klingt beliebig. Ich skippe mich durch die Platte, um dann festzustellen „ne, ist nix für mich“. Album abgehakt, in den CD-Schrank einsortiert. Das Schicksal ist somit vorbestimmt.

2. Earthless – From The West

Earthless sagen mir mal so gar nichts. Also bemühte ich Google, damit ich mir mal ein bisschen Hintergrundinfos holen kann. Es handelt sich also um ein Trio aus San Diego, welches sich der Kunst der Rockmusik verschrieben hat.
Derweil drücke ich die Play-Taste meines CD-Players. Es geht los. Das Internet lügt schon mal nicht. Es ist tatsächlich Rockmusik – wer hätte das erwartet. From The West ist allerdings eine Live-Platte. Das faszinierende an der Scheibe ist, dass es von der Soundqualität des Silberlings allerdings kaum als Liveaufnahme wahrgenommen wird. Das erstaunt mich.
Musikalisch ist das ganze so in Richtung The Vintage Caravan und Kadaver einzuordnen. Das haut mich jetzt auch nicht so unbedingt aus dem Sulky, gefällt mir aber schon besser als Pristine. Earthless mit From The West haben auf jeden Fall einen zweiten Durchlauf verdient.

3. Diablo Blvd – Zero Hour

Weiter im Takt geht es mit Diablo Blvd und ihrem Album Zero Hour. Auch hier bin ich wieder einmal hilflos überfragt, wer das überhaupt ist. Okay, die Band aus Belgien, die Platte aus 2017. Auch hier ist es eher rockig und groovig, als metallisch.
Gesanglich ist das alles schön ummalt, ohne für den ganz großen Überraschungsmoment zu sorgen. Eine solide Platte, die allerdings auch das Schicksal mit manch anderer Scheibe in meiner Sammlung teilen wird, dort einfach zu verstauben.
Natürlich habe ich mir, während meiner Diablo Blvd-Recherche, die Reviews zu Zero Hour angesehen. Da wurde mit freundlichen Worten beschrieben, dass das Album durchschnitt ist. Ganz große Klasse. Entweder ehrlich, oder gar nicht – das ist allerdings nur meine persönlich Meinung dazu.

4. Cellar Darling – This Is The Sound

Endlich mal was, wo ich wenigstens schon mal etwas von gehört habe. Genauer gesagt, wo ich weiß, wer sich dahinter verbirgt. Denn bei Cellar Darling sind mit Anna Murphy, Ivo Henzi und Merlin Sutter drei Ex-Eluveitie-Protagonisten am Werk. This is the Sound ist allerdings eine experimentelle Folk-Metal Nummer.
Generell ist es aber auch von Beginn an nicht mein Sound und somit hat auch Cellar Darling kaum eine Chance in meine Playlist zu rutschen. Auch die Top-Rezensionen im Netz werden daran nichts ändern und somit wird auch die silberne Drehscheibe in den unendlichen Weiten meiner Sammlung versinken.

5. Children of Bodom – Hexed

Children of Bodom - Hexed
Children of Bodom – Hexed

Der zehnte Langspieler aus Finnland und gleichzeitig das letzte Album von Laiho und Konsorten. Auch hier ein Limited CD-Digi mit drei Bonustracks in Form von „I Worhisp Chaos“ und „Morrigan“ in der Live-Version, sowie einem Remix von „Knuckleduster“.
Die Bandgeschichte, der Umstand der Auflösung und was danach passierte, darauf muss ja nicht eingegangen werden. Die meisten von euch wissen das besser als ich. Hexed auf jeden Fall reiht sich in die Berg- und Talfahrt der COB-Diskografie ein. COB haben aber auch mit Hexed ein solides Album abgeliefert, welches Freunden des melodischen Death Metals Freude bereiten kann. Ein erster richtiger Lichtblick für mich im CD-Massaker. Ein weiterer Staubfänger im CD-Regal wird Children of Bodoms Hexed somit nicht, denn hier lohnen mehrere Abspielungen. Ich könnte danach höchstens noch berichten, ab der wievielten Wiederholung die Scheibe langweilig und belanglos wird.

6. Bury Tomorrow – Earthbound

Vermehrt in den letzten Tagen im Netz und auch in Gesprächen mit Sascha zum Beispiel, ist mir immer mal wieder der Name Bury Tomorrow begenet. Mit derer neusten Veröffentlichung Cannibal ist man aber auch gerade so dermaßen durch die Decke geschossen. Nuclear Blast versucht mich also mit Earthbound anzufixen, damit ich Cannibal vermutlich auch geil finden darf.
Allerdings ist Metalcore überhaupt nicht meine Baustelle. Auch wenn Bury Tomorrow immer wieder lichte Momente erzeugen, wird das auf der anderen Seite mit Breakdowns wieder zunichte gemacht. Kinners, ich finde da einfach keinen Zugang. Bands wie Killswitch Engage haben nicht abgeholt und Bury Tomorrow haben es auch nicht geschafft. Der nächste bitte.

7. Sirenia – The Enigma Of Life

Auch hier wieder ein qualitativ hochwertiges Digi, angepriesen als Limited Edition mit zwei Bonus Tracks. Der Sticker ist verziert mit einem Zitat des Orkus Magazins.

Sirenia defends its domination of the norwegian gothic-metal-scene

Orkus Magazin

Leute, Leute… ne. Da fange ich schon wieder an zu zweifeln. Gothic Metal, gibt es das eigentlich überhaupt noch? Und wenn ja, wie groß war denn die Relevanz in Norwegen dieses Genres? Auch wenn es das mittlerweile sechste Album dieses spanisch/norwegischen Düstergespanns ist, kann man doch bei einer (vermutlich) einzigen Band nicht von Verteidigung der Dominanz sprechen.
Zugegeben The Enigma Of Life von Sirenia ist kein schlechtes Gothic Metal-Album, leider hat man immer wieder damit zu kämpfen, was Evanescence so angerichtet haben. Und hier hört man auch diese pop- und bombastartigen Anleihen.
Zack, ausgeschaltet…

8. Attila – Chaos

Es soll auch Überraschungen geben und die ist in der Form von Attila und Chaos definitiv von positiver Natur. Schön prolliger Hardcore mit Einflüssen aus New Metal (wie ich diese Begrifflichkeit hasse). Die Platte ist so stumpf, da stört mich nicht einmal der eine, oder andere Breakdown. Aber die Jungs aus den USA ziehen gnadenlos ihr Ding durch und verpassen dieser Crossover-Stilistik ihren eigenen und persönlichen Anstrich.
Irgendwo zwischen „man liebt sie“, oder „man hasst sie“ bewegt sich dann Chaos. Ich fühle mich auf jeden Fall durch Attila gut unterhalten und somit erfreut sich die Platte meiner Beliebtheit.
Das Jewelcase ist glücklicherweise aufgrund des Artworks in seinem grell-grünen Outfit auch ein Eyecatcher im CD-Regal.

9. Memoriam – For The Fallen

Endlich mal den Nagel auf den Kopf getroffen. Benediction und Bolt Thrower zu jeweils 50% beteiligt und vereint unter dem Banner Memoriam! Old-school Death Metal Herz, was willst du mehr?!
Zu diesem Album, der Entstehung und der Band als solches ist bereits alles gesagt worden. Hier stimmt einfach alles.

Nette Geschichte am Rande, da Memoriam viel Zeit für die Vorbereitung ihres Debüts hatten, ging es mit der Veröffentlichung umso schneller. Passend dazu der überaus schwarze, britische Humor im Promo-Sheet:

In der Zeit, in der Lars Ulrich seine Snare Drum stimmt, hatten MEMORIAM bereits „The Hellfire Demos“ geschrieben, ihre Webseite eingerichtet, ein Merchandise-Unternehmen gestartet, auf vier großen europäischen Festivals gespielt und „For The Fallen“ aufgenommen.

Memoriam Promo zu For The Fallen

Diese Platte hatte ich auch glücklicherweise, wenn auch unverständlich eigentlich noch nicht im meinem Besitz. Somit freue ich mich hier definitiv über For The Fallen!

10. Various Artists – Death Is Just The Beginning MMXVIII

Was wäre ein Nuclear Blast CD Massaker ohne einen waschechten Nuclear Blast Sampler? Drei Ausgaben von Death Is Just The Beginning habe ich zu Hause stehen. Das sind die Episoden 3, 4 und 6. Nun gesellt sich MMXVIII dazu – sprich, die 2018er Version. Was ich allerdings mit etwas Verwunderung feststellen durfte, ist die Tatsasche, dass es sich mittlerweile wohl nicht mehr um einen Doppel-CD handelt, sondern leidiglich im Jewelcase als Einzel-CD mit 16 Songs (diese Ausgabe) handelt.
Der Inhalt ist dennoch klasse. Benediction, Kataklysm, Hypocrisy, Immolation, Carcass – die Größen der Metalzunft sind vertreten. Aber es sind auch mit The Spirit oder Nailed to Obscurity die noch nicht so namenhaften Vertreter ins Rennen geschickt worden.
Das rundet die ganze Sache ab.

CD-Massaker als Selbsttest
Mein Versuch zum CD Massaker von Nuclear Blast

Fazit zum CD Massaker

Das sind die zehn CDs, die man bei Nuclear Blast aus den Regalen rausgeräumt hat, um sie mir für 20 Euro zu schicken.
Wer gerne Roulette spielt, oder 20 Euro zu viel auf der Naht hat, der kann gerne selbst mal den Test machen. Dennoch wird das CD Massaker in erster Linie dazu genutzt, die Ladenhüter bzw. Stellplatzblockierer noch irgendwie an die Frau oder den Mann zu bringen. Platz zu schaffen für Neues. Das ist auch durchaus legitim. Zwei Euro pro CD ist jetzt auch nicht soviel, dass man sich ärgern müsste. Viel mehr steht bei einer solchen Aktion wohl der Spaß im Vordergrund. Wenn man denn von Spaß sprechen möchte. Ein Glückspiel eben.
Positiv anmerken möchte ich, dass ich Glück hatte, jetzt keine doppelten CDs im Regal beherbergen zu müssen.

Meine Ausbeute ist aber, reflektierend auf meinen Musikgeschmack, dennoch ernüchternd. Man darf sich vielleicht auch nicht zu viel davon versprechen. Die Gründe dazu habe ich ja schon genannt.
Somit habe ich jetzt 10 CDs mehr im Regal. Von diesen 10 CDs würde ich ein einziges Exemplar als Volltreffer bezeichnen. Zwei Tonträger finde ich okay. Eine CD wiederum ist eine Überraschung und die restlichen sechs Silberlinge sind nun bei mir Landenhüter/Stellplatzblockierer/Staubfänger. Man sieht also, die Erfolgsquote ist jetzt nicht so hoch. Das überrascht weiterhin auch nicht, wenn man sich die Mühe macht und parallel bei Nuclear Blast mal durch die Aktionen (CDs ab 2,99/3,99/4,99 Euro etc.) blättert, oder klickt.
Der Backkatalog ist ja mittlerweile unendlich groß und vielfältig. Mitte/Ende der 90er hätte so eine Aktion sicherlich mehr Sinn (zumindest für mich) ergeben.

Wie sind eure Erfahrungen?
Habt ihr auch schon mal das CD Massaker bestellt? Oder bei einem ähnlichen Anbieter bei einer ähnlichen Aktion mitgemacht? Dann freue ich mich über eure Erfahrungen und Meinungen hier in den Kommentaren, oder via Kontaktformular, Social Media, oder Brieftaube!

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2 Gedanken zu „CD Massaker als Selbsttest

  • Juli 14, 2020 um 1:24 pm
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    Bury Tommorow habens mir als erste Band so richtig angetan in Sachen Core.
    Vor allem deren zweites Album Union of the Crowns, Blackflame und natürlich Canibal (mein erstes Vinylalbum seit vielen Jahren)
    Aber ich verstehs, killswitch und Co. habens bei mir auch nie leicht gehabt (ausser dem Song the end of heartache)

    Antwort
    • Juli 14, 2020 um 2:37 pm
      Permalink

      Soll ja auch gar nicht so um die Band bzw. das Album gehen, sondern eher um die Zusammenstellung dieses CD Sammelsuriums.

      Antwort

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